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  • Britta Lennardt

Thermometer oder Thermostat


Zunächst einmal eine Frage: Möchten Sie ein Thermometer sein oder ein Thermostat? Das Thermometer reagiert auf die Temperatur in seiner Umgebung und bildet sie ab. Das Thermostat regelt seine Temperatur selbst.


SPIEGELNEURONEN

Wissen Sie, wir Menschen sind mit etwas Fantastischem ausgestattet. Wir besitzen Spiegelneuronen.

Denken Sie einmal an folgende Situation: Sie beobachten einen Menschen, der sich gerade in den Finger schneidet. Es ist nicht ihr Finger. Und doch durchfährt sie ein Schreck. Es ist fast, als würden Sie den Schmerz auch spüren. Und dies ist neurobiologisch begründbar. In Ihrem Gehirn werden Zellen aktiv, die für dieses stellvertretende Mit-Fühlen verantwortlich sind.

Anfang der 90er Jahre wurden während eines Experiments mit Affen die Spiegelneuronen eher zufällig entdeckt. Bis dahin waren Empathie und Mitgefühl Begriffe aus der Psychologie, die sich biologisch nicht erklären ließen. Nun untersuchte man1 bei Makakenaffen, welche Hinareale aktiv sind, wenn sie sich z.B. eine Nuss nehmen. Und plötzlich entdeckte man, dass genau die gleichen Areale beteiligt waren, wenn der Affe beobachtete, wie der Versuchsleiter oder ein anderer Affe sich eine Nuss nahm. Das war eine sensationelle Entdeckung. Die Vermutung lag nahe, dass es Spiegelneuronen auch bei Menschen gibt. Doch es sollte noch bis zum Jahre 2010 dauern, bis dies belegt werden konnte.

Mitgefühl ist ein komplexes Empfinden, an dem noch viele weitere Nervenzellen beteiligt sind. Dass wir diese Fähigkeit zur Spiegelung anderer besitzen, ist eine wichtige Überlebenstechnik für uns Menschen. Sie sichert unsere Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe und somit auch unsere Versorgung. Wer lächelt, wird belohnt. Spiegelneuronen sind im Alter von 3-4 Jahren ausgereift. Sie aber immer wieder zu nutzen zu aktivieren ist lebenslang möglich.


SYNCHRONISATION VON STIMMUNGEN

Diese Spiegelneuronen sind auch dafür verantwortlich, dass wir Menschen uns in unterschiedlichen Gruppierungen immer wieder miteinander synchronisieren. Stimmungen gehen von uns auf andere über und umgekehrt. Kommen Sie also morgens zur Arbeit, können schon die ersten Begegnungen am Morgen - auch ohne viele Worte - dafür verantwortlich sein, wie sich Ihr Wohlbefinden entwickelt. Und hat dann in einem Meeting der Mensch an der Spitze der Hierarchie so richtig schlechte Laune, ist es äußert schwierig, die Besprechung fröhlich und euphorisiert zu verlassen. Damit wäre Teil 1 meiner eingangs gestellten Frage auch schon beantwortet: Wir sind alle ein Thermometer. Wir messen die Stimmung im Raum und sie kann auf uns über gehen. Je nach Sensibilität sind wir hierfür unterschiedlich empfänglich.



DIE EIGENE STIMMUNG REGULIEREN

Thermostat zu sein, also die eigene Stimmung selbst zu regulieren, ist nun etwas schwieriger. Ich will Ihnen zwei Wege zeigen, sich vor Negativität und schlechter Laune zu schützen.

Der eine geht über den Kopf, der andere über den Körper.


Beginnen wir mit dem Kopf. Der erste Schritt, so banal das klingt, wäre, die Stimmung um mich herum wahrzunehmen. Denn oft geht die schlechte Laune lautlos und unbemerkt auf mich über. Ist mir also klar geworden, dass ich gerade von der Stimmung eines anderen herunter gezogen werde, grenze ich mich mental von dieser Stimmung ab. Das kann ich, indem ich 1. in mich hinein horche und wahrnehme, was ich selbst eigentlich gerade fühle und 2. den andern als getrennt von mir wahrnehme und seine Befindlichkeit einordne. Ich nehme wahr, dass es ihm nicht gut geht und er schlecht gelaunt ist. Und dafür kann es unendlich viele Gründe geben. Vielleicht war der Kaffee zu Hause aus oder es gibt Probleme in der Beziehung. Es gibt viele Gründe für schlechte Stimmung. Doch als Allerletztes sollte ich annehmen, dass diese Verstimmtheit etwas mit mir zu tun hat. Diese Annahme schadet mir nur und führt letztlich zu nichts. Denn solange es nur eine Annahme ist, ist es nicht real. Sollten Sie wirklich der Stein des Anstoßes sein, wird sich derjenige schon beizeiten dazu äußern. Tut er das nicht, ist es sein Problem. Aber schalten Sie an dieser Stelle das Kopfkino aus.


Und nun der Zugang über den Körper. Wir wissen alle, dass sich unsere Stimmung direkt in unserer Körpersprache ausdrückt. Eine schlechte Nachricht und die Schultern kippen nach vorn, der Kopf senkt sich. Und es funktioniert auch anders herum. Unser Körper kann Gefühle durch bestimmte Haltungen selber erzeugen. Embodiment nennt sich diese These der Sozialpsychologie. Sind sie glücklich, sendet ihr Gehirn Signale an die Gesichtsmuskulatur und sie lächeln. Und umgekehrt: Wenn Sie lächeln, werden in ihrem Gehirn Hormone ausgeschüttet, die für gute Stimmung verantwortlich sind.


Ein kleiner Einschub: Dauerhaft gute Laune, die nur aufgesetzt ist, kann krank machen. Untersuchungen unter Stewardessen haben gezeigt, dass permanentes Unterdrücken der eigenen Emotionen in einen Zustand führen kann, den wir in den letzten Jahrzehnten als Burn Out bezeichnet haben. Das aufgesetzte Lächeln führt zu einer Entfremdung von den tatsächlichen Emotionen und ist enorm erschöpfend.2


Aber wie wird man nun zum Thermostat? Im nächsten Beitrag schauen wir genauer aufs Embodiment und wir wir unsere eigene Stimmung lenken können.


1 https://www.planet-wissen.de/natur/forschung/spiegelneuronen/index.html


2 https://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-gefaehrliches-laecheln-1.910423

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