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  • Britta Lennardt

Feeding back- Tipps und Tricks um Kritik besser zu äußern



Es wurde viel geschrieben und gesagt zu der Art und Weise wie Kritik geübt, bzw. Feeback gegeben werden sollte. Vorab eine Empfehlung. Geben sie Rückmeldungen nicht nach der Sandwich Methode - Lob-Kritik-Lob. Das ist eine sehr durchsichtige Strategie. Ich finde, Lob sollte immer ernst gemeint sein und von Herzen kommen und nicht das Geschenkpapier rund um eine bittere Pille sein.


Wenn Sie einen entsprechenden Rahmen für Feedback geschaffen haben, halten Sie sich am besten an die drei W´s:

• Wahrnehmung

• Wirkung

• Wunsch


Zur Wahrnehmung

Es gibt ein schönes Zitat von Max Frisch:

»Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann - nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.«

Ist das nicht ein schönes Bild? Die Wahrheit als wärmender Mantel. Aber Moment mal… Wahrheit? Welche Wahrheit? Ihre Wahrheit ist ja nicht meine Wahrheit…. Es gibt ja gar keine absolute Wahrheit. Aber es gibt doch ein Richtig und ein Falsch. Also darauf, dass man einen anderen Menschen besser nicht töten sollte, können wir uns einigen, oder? Doch ob die Wand hinter mir in weiß oder grün besser aussehen würde, ist verhandelbar. Wir alle wissen: An solchen Fragen sind schon ganze Familien zerbrochen. Es tut daher beiden Seiten gut, wenn ich mein Anliegen als meine eigene Wahrnehmung formuliere. Und dies auch so meine. Ich würde mir also gestatten, das Frisch Zitat ein wenig umzuformulieren:

»Man sollte seine Wahrnehmung dem anderen wie einen Mantel hinhalten, daß er hineinschlüpfen kann.«


Wenn Sie dem anderen nun ihre Wahrnehmung beschreiben, beziehen Sie sich auf Fakten und lassen Sie Bergwertungen außen vor.

»Herr Peters, ich habe gesehen, dass bei Ihrer letzten Präsentation die Folien voll von Informationen waren.«

Ich verwende in meinem Feedback bewusst »Ich« statt »man«, denn Feedback ist immer auch Beziehungsarbeit, auch, wenn es um sachliche Kontexte geht. Da kann ich mich nicht hinter einer ominösen Allgemeinheit verstecken oder auch einen Herrn Migusch imaginär an meine Seite stellen. Da muss ich in einer 1 : 1 Beziehung mit offenem Visier kämpfen, um Vertrauen zu gewinnen und zu erhalten.


Wirkung

Beschreiben Sie nun die Wirkung dessen, was Ihnen unangenehm aufgefallen ist und bleiben Sie dabei ganz auf der Sachebene.

Für Herrn Peter könnte das so aussehen: »Wenn so viele Bild und Textinformationen parallel zu Ihrem Wortbeitrag auf mich als Zuschauerin einströmen, bin ich visuell überfordert und kann ihr Anliegen nicht erkennen.«


Wunsch

Und nun wird's heikel, denn wir kommen zum Wunsch. »Ich soll meine Kritik als Wunsch formulieren? Wie albern ist das denn bitte?« Aber warten sie mal! Schon der Gedanken daran, dass Sie sich eine Verhaltensänderung wünschen, hat zwei positive Effekte. 1. Sie denken konstruktiv darüber nach, wie die gewünschte Veränderung aussehen könnte. 2. Indem Sie das Ganze als »Wunsch« denken, wird Ihnen deutlich, dass Sie über den anderen nicht verfügen können.


»Herr Peters, könnten Sie sich vorstellen, auf den Folien in Zukunft nur noch die wesentlichen Punkte ihres Vortrages zu visualisieren? Die vielen textlichen Informationen könnten dann als Handout weiter gereicht werden.«


Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch - so geben Sie Feedback auf Augenhöhe und führen aktiv Lösungen herbei.

Und wenn`s nicht klappt? Dann könnte das am Gegenüber liegen. Denn auch der Umgang mit Kritik ist eine Kunst.


UMGANG MIT KRITIK

Nachdem wir uns nun angeschaut haben, welchen Rahmen wir für Feedback schaffen und wie wir es konstruktiv geben können, lassen Sie uns einen Blick auf die Situation werfen, kritisiert zu werden. Wie könnte Herr Peters nun reagieren?

»Das kriegt die zurück. Bei nächster Gelegenheit. «- Er könnte so wütend werden, dass er auf die nächste Gelegenheit lauert, mir eine Retourkutsche zu verpassen.

»In der Präsentation war alles enthalten, was hinein gehörte. Wenn Sie dem nicht folgen kann, kann ich es auch nicht ändern.« - Er könnte die Kritik zurückweisen und sich selbst rechtfertigen.

»Immer hat die mich auf dem Kieker. Was mach ich bloß falsch?« - Er könnte in Selbstmitleid verfallen und sich deprimiert zurückziehen.


In jedem Falle ist keine wünschenswerte Veränderung nicht in Sicht.


Niemand wird gerne kritisiert. Ganz klar. Wir wissen bereits: Kritik aktiviert das Schmerzzentrum.

Wenn Sie nun also ein Feedback bekommen, welches Ihnen unangenehm ist, lassen sie es durch zwei Filter laufen.


Zunächst mal fragen Sie sich: Wer kritisiert mich und warum?

Es gibt nämlich kein objektives Feedback. Die vorgebrachten Kritikpunkte haben immer auch viel mit dem Kritikgeber zu tun. Ein unordentlicher Mensch bezeichnet andere als penibel, jemand, der unsicher ist, hält selbstbewusste Menschen für arrogant. Könnte es also sein, dass die Kritik mit mir gar nichts zu tun hat? Wenn Sie sie für gegenstandslos, lassen Sie sie einfachen an sich abprallen. So, wie sie es mit lästigen Mails machen: Markieren, löschen.


Ist allerdings doch etwas dran an dem, was der oder die andere sagt, verpassen Sie nicht die Chance, etwas zu lernen und ihr Potential zu entfalten, nur, weil der andere nicht in der Lage war, das Feedback angemessen vorzubringen. Sie können das Prinzip Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch auch umkehren. Das wäre dann der zweite Filter. Überlegen Sie, welcher Wunsch hinter der Kritik steht. Formulieren sie es für sich um. Und dann entscheiden Sie, ob es im Sinne aller ist, diesem Wunsch in Zukunft zu entsprechen.


PERSPEKTIVWECHSEL

Schlagen wir am Ende noch einmal gedanklich eine andere Richtung ein. Ist Feedback über Dinge, die nicht gut laufen, überhaupt notwendig? Stellen Sie sich einmal vor, es gelänge Ihnen, sich und andere Menschen so wahrzunehmen, dass sie sich allein fragen: »Was gefällt mir gut?« und »Wovon will ich mehr sehen?«.

Auf diese Weise würden wir positives verstärken und Wachstumsmöglichkeiten aufzeigen. Menschen lernen besser, wenn sie sich wohl und angenommen wissen. Diese neue Haltung des Feedbacks müsste eingeübt werden. Sie hat das Potential, sie und ihr Umfeld tiefgreifend zu verändern.



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