Mit der Pantolette in pole position

Britta Lennardt

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Mit der Pantolette in pole position

Die Investition hat sich gelohnt. Heute war ich es, die den Wassersiegel als erste durchbrach. Ich wusste, dass ich es schaffen kann. Gute Vorbereitung ist alles.

Ich gehöre zum Kreis der Frühschwimmer im Hallenbad Langengdreer. Ja, inzwischen gehöre ich dazu. Ich komme seit drei Jahren. Ich bin akzeptiert. Ich bin Teil der Gruppe. Ich habe sogar meine eigene Bahn. Nur manchmal, wenn so ein junges Huhn meint, es müsste auf Bikini-Figur trainieren oder ein Senior einen Neujahresvorsatz gefasst hat, gerät das ganze schöne Gefüge auseinander. Dann gibt es eine Rangelei auf den Bahnen. Da muss man dann schon mal ein wenig Slalom schwimmen. Denn die Neuankömmlinge wissen ja nicht, dass bei uns alles seine schöne Ordnung hat. Aber sie spüren es sehr bald. Die nonverbale Kommunikation funktioniert auch zu Wasser gut. Stoisch die Bahn halten, ganz beiläufig mit dem Arm ein bisschen weiter ausholen, mit den Beinen so stark paddeln, dass es spritzt. Und wenn das alles nichts nutzt, hilft ein böser Blick. So stellen wir die Ordnung wieder her.

Das ist im Menschen so angelegt. Er verteidigt sein Territorium und braucht lange, bis er sich an Neuerungen gewöhnt hat. Und dieses Bedürfnis korreliert tatsächlich mit der Anzahl an Lebensjahren, die die Schwimmenden durchs Wasser bewegen. Je mehr Jahre, desto geringer die Flexibilität. Das trifft sicher nicht auf jeden Senior zu, aber im Hallenbad Langender ist das so.

Ich zähle im Bad zu den Jüngsten. Und dennoch werde ich ganz nervös, wenn ich meine Bahn teilen soll. Und während ich so meine Runden ziehe, denke ich darüber nach, dass wir in diesem Mikrokosmos ein gesamtgesellschaftliches Problem symbolisieren. Angst vor Veränderungen und Misstrauen dem Unvertrautem gegenüber.

Aber als erste den Wasserspiegel zu durchbrechen, war heute meine kleine Revolution. Ich habe mir eine Badepantolette gekauft. Nun musste ich nicht mehr meine Zehen mühsam in die Flipflops einfädeln. Und so kam ich vorbei an Ingrid. Ich profitierte zugegebenermaßen auch sehr davon, dass Herr R., der immer schon barfuß in Badeschlappen mit seinem SUV vor der Hallenbadtür parkt und den Umweg über die Umkleide gar nicht erst macht, sondern seinen Trainingsanzug auf dem Weg zur Dusche einfach lässig in den Spint wirft. Ach, gegen ihn habe ich keine Chance. Aber heute war ich die Erste.

Es ist herrlich, die Wasseroberfläche zu durchbrechen. Als würde man frischen Schnee betreten. Neues Land. Ich, eine Pionierin des Wassers! Ein Neuanfang. Und dann nahmen wir nach und nach wieder unsere Bahnen ein.

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